Tour de Monte Rosa
Matterhorn, Mischabel, Monte Rosa....
klangvolle Namen,
die jedem Alpinisten das Herz höher schlagen lassen!
Tourengruppe des DAV-Osnabrück
„Da habt Ihr Euch aber eine sehr
anstrengende Tour vorgenommen“, kommentierte unser
Sektionsvorsitzender Klaus Jürgen Gran das Vorhaben und
gleich am ersten Tag erinnerte ich mich seiner Worte! Dabei
fing alles ganz harmlos an:
Getroffen
haben wir uns, Inge und Volker Jelen, Petra und Michael
Ritz, Margrit Grosche und ich in St. Niklaus im Mattertal.
Der Taxibus bringt uns zum Mattmark-Stausee, unserem
eigentlichen Ausgangspunkt. Doch dann geht es los: Der
Aufstieg zum Monte-Moro-Pass zieht sich in die Länge,
verschiedene Gründe führen dazu, dass wir zu spät den Pass
erreichen, zu spät für die Gondelbahn, die uns kräfte-,
knie- und zehschonend hinunter nach Macugnaga bringen
sollte. Was nun? Im Rifugio Oberto am Monte-Moro-Pass
übernachten oder doch noch 1600 m absteigen zur gebuchten
Unterkunft ? Die Damen wünschen nach Inspektion der
Räumlichkeiten den Abstieg, und ich denke an morgen, eine
lange Etappe erwartet uns. Im Nachhinein wohl ein Fehler:
Denn der Abstieg fordert alle Reserven und hat auch die
gesamte weitere Tour belastet. Es ist tiefdunkle Nacht, als
wir völlig erschöpft in unserem Albergo Edelweiss
ankommen...
Der nächste Tag wird in der Literatur als
„Königsetappe“ bezeichnet, sie führt tief in das Valle
Quarazza und über den Col del Turlo Pass (2738m) hinüber
nach Alagna. Die Entscheidung, für die ersten Kilometer die
Teerstrasse zu meiden und einen Taxibus zu chartern, der uns
bis zum Lago del Falte, einem Stausee bringt, ist nicht nur
wegen unserer gestrigen Grenzbelastung angebracht. Auch dort
beginnt der eigentliche historische Walserweg, zuerst durch
naturbelassenen Mischwald an einer alten aufgelassenen
Goldmine und Aufbereitungsanlage vorbei, dann aufwärts über
akkurat verlegte Steinplatten, schier endlos in nicht enden
wollenden Serpentinen. Die Pause am Biwako Lantil (2150m)
ist bitter nötig, doch bis zum Col del Turlo fliessen noch
viele Schweißtropfen. Am Pass empfängt uns ein kurzer
Gewitterschauer, der zwar für Abkühlung sorgt, aber unsere
Stimmung ist am Tiefpunkt angelangt, vor allem ist ja nun
wieder ein langer beschwerlicher Abstieg notwendig. Wie gut
nur, dass wir nicht ganz hinunter nach Alagna Valsesia
(1168m) hinab, sondern „nur“ 550 m absteigen müssen, denn im
gepflegten Rifugio Pastore haben wir reservierte Plätze. Die
angenehme Atmosphäre, ein ausgezeichnetes italienisches
Menue und ein schönes Zimmer entschädigen uns für die
Strapazen des Tages.
Auf den geplanten Aufstieg zum Col d´Olen
verzichten wir am nächsten Tag und benutzen die Seilbahn.
Der Pass gleicht einer Großbaustelle, zwei riesige Lastwagen
kommen uns entgegen, die Skianlagen für den Winter werden
vorbereitet. Wenige Minuten weiter nach unserer Mittagspause
im Rifugio Goglielmina (2880 m) wieder ein ganz
gegensätzliches Bild einer gar nicht scheuen Gruppe von
Steinböcken, die sich durch uns Wanderer kaum gestört fühlt.
Der Abstieg zum Albergo del Ponte (2390 m) führt uns
wiederum zum großen Teil über Ski-Pisten, die im Sommer
einen verödeten Eindruck bieten. Die Seilbahn vom Albergo
del Ponte hinunter ist daher sicher eine verlockende
Alternative, für die wir uns am nächsten Morgen entscheiden.
Vom Talort Staffal (Gressoney) aus geht es dann unterhalb
der Seilbahnstrecke hinauf zum C.le di Bettaforca mit
schönen Aussichten auf den Liskamm und das Monte Rosamassiv.
Im Vallone della Forca krasse Gegensätze: Natürliche
Alpenvegetation mit leuchtend bunten Blumenwiesen grenzen an
die Wunden der aufgerissenen Schotterpisten der Skigebiete.
Dann überraschender Empfang im Rifugio Guide Frachey in Resy,
eine Köchin aus der Karibik mit großen rollenden Augen sorgt
für Stimmung, leider hat der Hüttenwirt etwas gegen Reggae –
Musik...
Landschaftlich
schön ist der Aufstieg am nächsten Morgen zum C.le Sup.delle
Cime Bianche. Der Weg führt uns am Gran Lago mit seinen von
Wollgrassbeständen bewachsenen Abflüssen vorbei. Ausblicke
bieten sich auf den türkisgrünen Lago di Ventina und auf den
Ghiacciaio di Ventina, der das Breithornplateau nach Süden
hin abschließt, das Matterhorn drängt sich ebenfalls schon
ins Bild. Hier ist von der kommerziellen Alpenerschließung
mit Skipisten noch nichts zu spüren. Doch der Übergang ist
nahtlos, westlich des C.le Sup.delle Cime Bianche wieder der
Gegensatz: Das Skigebiet von Breuil (Cervinia) gleicht einem
Steinbruch, und wir müssen hindurch! Empfehlenswert wäre die
Benutzung der Gondelbahn hoch zum Testa Grigia (3480 m).
Leider fehlen mir detaillierte Informationen über den
Theodulgletscher, der angeblich gerade hier oben recht viele
Spalten aufweisen soll. Es bleibt uns der kraft- und
nervenkostende Aufstieg durch Schotter zum Theodulpass. Dort
legen wir brav unsere Gurte an, befestigen unsere
Steigeisen, gehen am Seil die durch Skiraupen befestigte
Piste bis zum Abzweig zur Gandegghütte auf dem grau und
schmutzig gewordenen Theodulgletscher hinab. In der Hütte
werden wir schon zum Abendbrot erwartet, bekommen ein
schönes Zimmer mit riesigem Fenster und Ausblick auf das
Breithorn, unseren Abstecher für
den nächsten Tag (darüber an anderer Stelle mehr).
Die Tour de Monte Rosa führt uns weiter
nach Zermatt, immer wieder das Matterhorn in voller
Schönheit vor Augen. Von dort weiter zum Europaweg. Den
Aufstieg vereinfachen wir uns durch Benutzung der Tunnelbahn
nach Sunegga (2249 m). Auf dieser Höhe geht es mit
wunderschönem Panorama im ständigen Auf- und Ab über
Tufteren, Ottafe, zum Teil durch Galerien und Tunnel
geschützt, zum Wildkin, dann unterhalb der Kinhütte an
zahlreichen mit Edelweiß bedeckten Blumenflecken vorbei
Richtung Europahütte. Doch dann unerwartet, die Europahütte
war schon in Sicht, ein Abstieg bis kurz oberhalb von Randa.
Ein Erdrutsch hat die Galerien und damit den Weg in
Sichtweite der Europahütte dauerhaft zerstört. Also 500 hm
hinunter und wieder hinauf, ein großer Wermutstropfen,
vermischt mit unserem Schweiß nach dieser ansonsten recht
schönen Strecke. Übervoll dann die Hütte, doch wir haben die
freundliche Bewirtung trotzdem genossen.
Die letzte Etappe am nächsten Tag nach Grächen sollte nicht
unterschätzt werden, lange Passagen über Blockwerk fordern
Trittsicherheit und Konzentration, der Abstieg nach Grächen
ist steil und lang. Da entschädigen den Wanderer die
Ausblicke auf das Weißhorn und in das Riedgletschergebiet
nach dieser langen Tour nur unvollkommen. In Gasenried, kurz
vor Grächen, beginnt die Teerstrasse, hier endet unsere
Wanderung mit einer Erfrischung in einem Berggasthaus,
anschließend bringt uns der Bus zurück nach St. Niklaus.
Fazit:
Matterhorn, Mischabel, Monte Rosa.... klangvolle Namen
lassen ein Alpinisten - Herz höher schlagen! Allerdings gibt
es kaum Möglichkeiten für Höhenwegwanderer die Skigebiete,
die im Sommer einen so trostlosen Eindruck machen, zu
meiden. Bei der Wahl künftiger Wanderziele werde ich diese
Erfahrung berücksichtigen. Die Worte unseres
Sektionsvorsitzenden haben ihre Bestätigung gefunden. Die
Tour war SEHR anstrengend und einmalig (im zweifachen
Wortsinn), doch viele schöne Eindrücke und Erinnerungen
bleiben.
Eckhard Pietschmann
Weitere Links:
Aufstieg zum Breithorn
»
Fotogalerie »

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