Vom Regen, Schnee und Nebel zum
Sonnenschein -
von Hütte zu Hütte durchs "urweltliche
Gebirg"!
Das "urweltliche Gebirg", wie der massige
Gebirgszug zwischen Isartal und Achensee das
Karwendelgebirge auch genannt wird, ist das diesjährige Ziel
für eine Alpenvereinsgruppe aus drei verschiedenen
Sektionen.
Mit von der Partie sind: Eckhard Pietschmann,
Helmut Lübben (DAV Bocholt). Erich Nierhoff (DAV Münster),
Peter Osterlow (DAV Osnabrück). Am 11.07.2004 trifft sich
die Gruppe in Mittenwald. Mit dem Bus geht’s zum
Ausgangspunkt der Wanderung nach Krün. Ziel unserer ersten
Etappe sind die Soiernhäuser, an den gleichnamigen Seelein
idyllisch gelegenen und einst Jagdrefugium Ludwig II. Ob
jemand von uns Streit mit Petrus gehabt hat, kann nicht
geklärt werden, jedenfalls setzt bald Regen ein, der uns
auch auf einigen folgenden Tagesetappen herausfordern wird.
Hinter der Fischbachalm verlassen wir den Hüttenweg, testen
erfolgreich Trittsicherheit und Schwindelfreiheit auf dem
Lakaiensteig.
Nach einem kräftigen Bergsteigerfrühstück
und regenfest bekleidet steigen wir am nächsten Morgen in
die tiefe Einsattelung östlich der Soiernspitze auf, erleben
wunderschöne Ausblicke zu den nun weit unter uns liegenden
Seelein, wandern weiter zur Fereinalm und über den
Rehbergsteig mit einer kleiner Klettereinlage zur urigen
Hochlandhütte. Auch in der Nacht regnet es kräftig, bei
Schneeregen und böigem Wind steigen wir 360m auf zum
Wörnersattel und sind froh, als wir windgeschützt absteigen
können. Der nun folgende Gjaidsteig fordert unsere volle
Aufmerksamkeit. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind
hier besonders gefordert. Größere Schneefelder geben uns
darüber hinaus Gelegenheit, unsere "Lucky-Grödeln" zu
testen. Auf österreichischer Seite wird dann das Wetter
besser, der Pfad führt nun übers Bärenalpel, über grüne
Almen und ausgewaschene Steige zum Karwendelhaus. Wer
gedacht hat, nach dieser langen Tour müsste eine romantisch
kleine, abgeschiedene Hütte erreicht werden, der täuscht
sich gewaltig. Die im Karwendel typischen langen
West-Osttäler locken Mountainbiker und Ungeübte. So ist es
kein Wunder, dass sich das Karwendelhaus zum Alpenhotel mit
allen Vorteilen (Speisekarte, Duschen) und Nachteilen
(Massenbetrieb) entwickelt hat. Skeptisch beurteilt der
Hüttenwirt unser Ansinnen über die Birkkarspitze das
Hallanger Haus zu erreichen, zu viel Neuschnee hat es
gegeben und in den letzten Tagen seien alle Versuche
gescheitert. Ausgeruht versuchen wir am nächsten Morgen
dennoch unser Glück, mit der Vereinbarung abzubrechen, wenn
die Bedingungen zu schlecht sein würden. Das Wetter
entwickelt sich ungünstig, Wolken, Schneefall, Wind
erschweren die Orientierung, von der Birkkarspitze ist
nichts zu sehen.
Nach einem kräftezehrenden Umweg stoppen
wir in 2500m Höhe unseren Versuch und steigen durch die
steilen Schneefelder ab. Dann klart der Himmel auf und nun
können wir den richtigen Zustieg in 2100m Höhe ausmachen.
Für uns ist es jedoch zu spät, einen neuen Aufstieg zu
unternehmen und werden am frühen Nachmittag wieder vom
Hüttenwirt begrüßt. Statt den Tag mit Kaffee und Torte zu
beenden, wandern wir auf dem Hüttenweg talwärts, denn auch
für den nächsten Tag ist keine Wetterbesserung angesagt.
Unserer Stimmung tut dies keinen Abbruch und wir beenden den
Tag auf der Lärchertalm (1250m) mit guter Speis und gutem
Trank bei Gitarrenmusik. Froh sind wir über unser einfaches
Refugium, stürmt und regnet es doch die ganze Nacht. Nach
gutem Frühstück starten wir gut gelaunt. Unser Ziel ist die
Pfeishütte. Wieder wird unsere Regenkleidung getestet. Wir
sind froh, gegen Mittag die "Amtssäge", ein frisch
renoviertes, ehemaliges Forsthaus zu erreichen. Hier
trocknen wir unsere Sachen, genießen die Gastfreundschaft
der Wirtin. Nach unserer Rast wird Petrus gnädig. Die Sonne
begleitet uns hoch bis auf 1925m zur Pfeishütte. Am nächsten
Morgen sind alle Wolken verschwunden. Eine Königsetappe
erwartet uns. Über den Goetheweg genießen wir in 2000m Höhe
die Fernsicht und haben einen weiten Blick auf das Inntal
mit der Landeshauptstadt Innsbruck. An der Bergstation
Seehütte machen wir kurz Rast, stärken uns und füllen unsere
Wasservorräte auf: Der anspruchsvollste Teil der Tagesetappe
liegt noch vor uns. Über den Schmid-Hubersteig erreichen wir
den Frau Hittsattel, steigen tief ab im Geröll und erreichen
über den Gipfelstürmerweg nach 10 Std. das Solsteinhaus. Am
Abend entsteht Abschiedsstimmung, denn morgen beschließt der
Abstieg nach Hochzirl unsere einwöchige Karwendeltour. Dort
trennt sich die Gruppe: Eckhard trifft sich mit einer neuen
Gruppe Bochholter Bergfreunde, während die übrigen drei
Teilnehmer mit dem Zug nach Mittenwald und weiter gen Heimat
fahren.
Fazit: Trotz schwieriger
Witterungsbedingungen war die Wanderung für alle eine
Bereicherung und hat viel Spaß gemacht. Das "urweltliche
Gebirg" erzeugt Lust auf mehr. Es gibt hier noch viel zu
erleben.
Eckhard Pietschmann
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