Berge, Sonne und zuviel Schnee...
...so könnte man die vom 01.07.-7.07.2001
von der DAV-Sektion Bocholt, Ortsgruppe Gronau mit dem LCN
Nordhorn erstmals gemeinsam durchgeführte
Hochgebirgswanderung in den Allgäuer Alpen umschreiben. Dass
es trotz des vielen Schnees ein Erlebnis war, lag sicher
nicht nur an den vielen Sonnentagen, sondern auch an dem
sicheren Gespür für das Mach- und Verantwortbare unseres
Wanderleiters Eckhard Pietschmann.
Wir, Klärchen, Gisela, Annette, Birke,
Eckhard. Ali, Horst, Jürgen, Michael, Joachim und später
dazu gestoßen auch Margrit, haben nicht nur viel erlebt,
sondern uns auch sonst gut verstanden. Nicht
selbstverständlich bei einer Altersgruppe von ca. 35-71, die
sich in dieser Zusammensetzung erstmals kennen lernte.
Gestartet wurde am 01.07. um 12.00 an der
Fellhornbahn nahe Oberstdorf. Aufgrund der langen Anfahrt
und auch um nicht gleich einem "Höhenrausch" zu erliegen,
fuhren wir mit der Bahn bis zur Gipfelstation ( 1967 m). Die
erste Bergbesteigung auf den nahe gelegenen Fellhorngipfel
mit 2038 m Höhe war für alle selbstverständlich. Für viele
war der Blick ins Kleinwalsertal aus der Perspektive in 2000
m Höhe eine neue Bergerfahrung, die für die nächsten Tage
Erwartungen setzte. Vom Fellhorngipfel ging es dann über
einen Höhenweg unterhalb der Kanzelwand zur Fiderepasshütte
(2067 in). Für einige der Gruppe überraschend, die zu dieser
Jahreszeit nicht erwartete Überquerung großer Schneefelder.
Nach dem wir das Lager bezogen hatten, wurde die
Hüttenumgebung erkundet. Am ersten Abend war es wichtig,
dass wir uns untereinander bekannt machten. Pünktlich um
8:00 Uhr ging es am nächsten Tag weiter über den Krumbacher
Höhenweg zur Mindelheimer Hütte (2058 m). Aus der Ferne
konnten wir die geübten und vermeintlichen Kletterer am
Mindelheimer Klettersteig bestaunen. Wenn Eckhard uns auch
vorher bezüglich des mitzunehmenden Gepäckes ausreichend
informiert hatte, zeigte sich schon jetzt, dass ein "Zuviel"
zu Lasten der Kondition und Beweglichkeit geht. Das Auge
noch ungeübt konnten wir dank des Hinweises einer
bergerfahrenen ortsansässigen Wanderin den Flug eines Adlers
verfolgen. Michael und Joachim hegen aber immer noch
Zweifel. Nach ca. vier Stunden bei strahlendem Wetter an der
Hütte angekommen wurde nach Bezug des Lagers erst eine
Stärkung eingenommen. Danach machte sich ein Teil der
Gruppe, unbeschwert vom Gepäck, auf den Weg zum nahe
gelegenen Kemptner Köpfl (2191 m). Der Aufstieg wurde nicht
nur mit einem traditionellen “Berg heil", sondern auch dem
Anblick eines spielenden und grasenden Steinbockrudels
belohnt. Unbeschreiblich. mit welcher Leichtigkeit die Kitze
untereinander im Spiel die Gesetze der Schwerkraft
ignorierend übereinander hinwegsprangen und selbst in den
Wänden noch Halt fanden. Dank der zum zweiten Mal erfahrenen
hervorragenden Bewirtung freundlichen wir uns schon auf den
nächsten Tag. Fürsorglich, wie Eckhard war, mussten Jürgen,
Michael und Joachim mit ihm aber vor dem Abendbrot für den
nächsten Tag noch den Übergang und Aufstieg zum Schrofenpass
erkunden. ich weiß nicht, ob er unseren Belastungs-
Härtegrad testen wollte, es ging im Dauerlauf eine halbe
Stunde runter und anschließend in ca. 45 Minuten wieder
rauf. Für den Tag reichte es.
Wenn aufgrund der in der Karte
angezeigten vermeintlichen Schwierigkeiten mit Herzklopfen
die Bergtour bei bestem Wetter begonnen wurde, zeigte sich
schnell, dass überstanden alles gar nicht so schwer ist.
Darin waren wir uns alle einig, dass die Etappe von der
Mindelheimer Hütte zur Rappenseehütte, allein schon wegen
der Ansichten und Aussichten, ein besonderer Tag war. Der
Blick ins Rappenalptal, gegenüber zu den Schafalpenköpfen,
die Ansicht des massiven Biberkopfes (2599 m) oder auch die
Überquerung blühender Almwiesen, ließ alle Strapazen
vergessen. Nach ein paar großzügigen Pausen kamen wir gegen
ca. 14:30 Uhr an der Rappenseehütte (2091 in) an. Die
Sonnenterasse mit Blick auf den kleinen Rappensee, den
Hausberg Rappenseekopf und den Biberkopf lud zum "Auftanken"
ein. Da die Meldungen über den als nächstes vorgesehenen
Heilbronner Weg ein Weitergehen nicht erlaubten, der Weg war
teilweise bis zu den Sicherheitsleinen zugeschneit, musste
umdisponiert werden. Nachdem Jürgen, Horst, Michael, Joachim
und Eckhard nachmittags noch die schneebedeckte Scharte
zwischen Rappenseekopf und Hochgundspitze bestiegen hatten,
bestätigte sich mit Blick auf den Heilbronner Weg die
Meldung. Da das Hüttenlager gefiel, wurde für den nächsten
Tag die Besteigung des Rappenseekopfes (2467 m) eingeplant.
Da für einige erstmals mit Muskelkraft eine steilere Passage
erklettert werden musste, wurde nur mit leichtem Gepäck
gewandert. Die Mühen hatten sich gelohnt. Wir wurden mit
Ausblick in benachbarte Täler und Ansicht des ganzen
Hinweges aus anderer Perspektive belohnt. Der Abstieg
klappte über die Scharte zwischen Rappenseekopf und
Hochrappenkopf einiger großer Schneefelder schon sehr zügig.
Runter ging es wesentlich leichter als rauf. An die
Überquerung der Schneefelder hatten wir uns mittlerweile
gewöhnt. Der nachmittägliche Aufstieg zur großen
Steinscharte bestätigt nochmals die Unpassierbarkeit des
angedachten Höhenweges. Um die Woche aber dennoch mit einer
schönen Wanderung abzurunden, ging es den nächsten Tag über
die Enzianhütte runter ins Tal bis Einödsbach und dann mit
dem Bus weiter bis nach Oberstdorf. Nachdem sich Annette und
Ali verabschiedet hatten, ging es 1000 m rauf zum
Edmund-Probst-Haus (1925 m). Wenn der Tobelweg anfangs sich
auch noch gut gehen ließ, war der Weg von der vorderen
Seealp (1280 in) bis zur Hütte mehr als eine Strapaze. Bei
dreißig Grad Außentemperatur war der Anstieg auf dem
asphaltierten Untergrund eine schweißtreibende
Angelegenheit, die alle Kraftreserven aufzehrte. Um so mehr
ließen wir uns den ersten Umtrunk schmecken. Abends machten
wir die Bekanntschaft mit einem Fuchs, der nach Aussage der
Hüttenwirtin jeden Abend zu einer bestimmten Zeit die Hütte
aufsucht um ein paar Wurstzipfel zu ergattern. Verrückt. In
unseren Breiten schaut man sich die Augen nach einem Fuchs
aus und in 2000 in Höhe läuft einem der Fuchs zu. Am
nächsten Tag ging es darin erst zum benachbarten Nebelhorn
(2224 m) und dann weiter unterhalb des Hindelanger
Klettersteiges in Richtung Engeratsgund-See Auch jetzt
hatten wir neben viel Schnee mit der gleißenden Sonne zu
kämpfen. Während ein Teil der Gruppe vor dein Anstieg zum
Großen Daumen zur Hütte zurückkehrte, bestiegen Jürgen,
Horst, Michael und Joachim den Gipfel (2280 in). Da der
Anstieg aufgrund aufgeweichter Geröllmassen gar nicht so
unproblematisch war, suchten wir den Abstieg in Richtung
Kleinen Daumen... für Jürgen der absolute Härtetest und das
an seinem Geburtstag. Ein Grund mehr uns abends auch auf die
letzte Bergetappe und natürlich auf den Geburtstag
anzustoßen.
Der Abstieg am letzten Tag nach
Oberstdorf hatte es nochmals in sich. Da der Weg über den
Grat vom Geisfuß zum Geisalphorn zu schwierig erschien,
mussten wir 500 in runter bis zum Geisalpsee ( 1509 m) und
wieder rauf bis zum Grat zum Rubihorn ( 1957 m) und dann
wieder steil runter bis zur vorderen Seealpe ( 1280 m). Von
der Seealpe bis ins Tal nach Oberstdorf wurden wir von
heftigen Regengüssen begleitet, so dass uns der Abschied von
den Bergen wettermäßig leicht gemacht wurde. Da einige in
Oberstdorf blieben bzw. andere Touren einplanten, trennte
sich die Gruppe, bedingt durch die widrigen
Wetterverhältnisse, leider zu schnell. Ein gemütlicher
Ausklang mit allen in Oberstdorf wäre sicher für alle
schöner gewesen.
Da alle von der Tour begeistert waren,
würde ein Großteil der Gruppe eine geführte Bergwanderung im
nächsten Jahr begrüßen. Da man als Alpenvereinsmitglied
neben den Übernachtungskosten auch andere Vorteile in
Anspruch nehmen kann, sollte schon aus
versicherungsrechtlichen Gründen die Mitgliedschaft in
Erwägung gezogen werden. Ein Kompliment an die Hüttenwirte.
Sowohl die Vielzahl der Speisen als auch das Preis-
Leistungsverhältnis war Spitze. Einen Dank an Eckhard, der
trotz unterschiedlicher Bergerfahrung alle heil und sicher
über die Berge und Grate führte.
Berg heil !!!
Erlebten gemeinsam die Allgäuer Alpen:
Birke u. Klärchen Enk, Margrit Groschen, Horst Hocke, Gisela
Kosel, Ali u. Annette Namdar, Eckhard Pietschmann, Michael
Ritz, Jürgen Sackbrock und Joachim Walles.
Joachim Walles
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